Alexandra Meier

0175-29 323 14

Physiotherapie für Hund & Pferd

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Blutegeltherapie

Vorweg

Blutegel sind tolle Tiere und man kann mit ihrer Hilfe große Erfolge erzielen! 

Die Egeltherapie ist aber auch mit gewissen Risiken verbunden. Deshalb bevorzuge ich generell die Horizontal-Therapie, bevor ich die Blutegeltherapie anwende.

Die HT deckt all die Indikationen ab, die auch mit der Blutegeltherapie behandelt werden, ist aber absolut schmerzfrei und die Gefahr von Sekundärinfektionen ist nicht gegeben.

Bitte lesen Sie sich die Seite zur Blutegeltherapie gründlich durch, bevor Sie sich für eine Therapie mit diesen possierlichen Tierchen entscheiden.

Sind Sie weiterhin von einer Behandlung überzeugt, führe ich diese gerne durch.


Das Wort Egel ist auf das Wort echis zurückzuführen, was aus dem Griechischen kommt und so viel wie kleine Schlange bedeutet.


Blutegel gehören zu den Ringelwürmern und sind verwandt mit dem Regenwurm.

Ihre Zeichnung ist wunderschön und macht sie auch aus diesem Grund zu faszinierenden Tieren.

Noch faszinierender sind ihre drei Kieferleisten mit jeweils 80 Kalkzähnchen, die eine sternenförmige Wunde in der Haut hinterlassen. Der Biss eines Egels ist fast schmerzfrei. Warum das so ist, ist umstritten. Man vermutet eine Art Anästhetikum im Speichel.



Der Erfolg einer Egeltherapie resultiert aus einem kleinen Aderlass, Injektion von ca. 80 verschiedenen Wirkstoffen (z.B. Gerinnungshemmern), die aber noch nicht alle identifiziert sind, und dem Absaugen von verdünnten Substanzen (z.B. durch die Gerinnungshemmer verflüssigten Thromben). Da sich der abgegebene Speichelcocktail über Blut und Lymphe im gesamten Körper verteilt, ist der Ort, wo man einen Egel ansetzt, nicht primär wichtig.

Es wurde schon vor langer Zeit beobachtet, dass Tiere in freier Natur, die unter Gelenkproblemen leiden, instinktiv Gewässer  aufsuchen, in denen Blutegel leben.

(Und mit Sicherheit sind diese Gewässer von hervorragender Qualität, denn sonst gäbe es dort keine Blutegel.)


Die Egeltherapie ist ein blutiges Unterfangen. Seien Sie nicht erschreckt, wenn Ihr Tier lange nachblutet; das ist so gewollt und sogar wichtig und kann bis zu 24 Stunden dauern. Es darf kein Druckverband angelegt werden, allerhöchstens einen lockeren und saugenden Verband mit steriler Kompresse.





Wichtig ist deshalb aber, dass Ihr Tier keine Blutungsneigung hat, weder angeboren noch durch Medikamente, und nicht an Herzinsuffizienz leidet. Auch sollte der Allgemeinzustand gut sein.

Ist Ihnen aufgefallen, dass Ihr Tier relativ stark blutet, wenn es sich verletzt, ist es sinnvoll, durch einen Tierarzt den Haemotokritwert zu bestimmen. Dieser gibt Auskunft über den Gerinnungswert des Blutes.


Die Blutegeltherapie belastet den Kreislauf. Gönnen Sie Ihrem Tier nach der Therapie und am Folgetag etwas Ruhe. Turniere sind für diesen Zeitraum tabu, Anstrengungen sollten vermieden werden.

Die Egeltherapie ist eine Geduldsache. 

Blutegel sind kleine Sensibelchen. Ist es zu kühl oder riecht das Tier nicht gut genug (nach z.B. einer Waschung des Fells), beißen sie nicht. Manche sind die reinsten Vegetarier.

Einige lassen sich lange Zeit, andere beißen so schnell, dass man aufpassen muss, dass sie nicht den eigenen Finger erwischen. Der eine Egel verbleibt 20 Minuten an seiner Bißstelle, der nächste saugt eine ganze Stunde.

Bringen Sie also ein wenig Zeit mit, wenn Sie sich für eine Egeltherapie für Ihr Tier entscheiden.

Und noch was: jeder zu Therapiezwecken eingesetzte Egel muss anschließend getötet werden. Das ist gesetzlich so festgeschrieben.


Behandlungsbeispiele

  • HD/ED
  • Arthrose
  • Spat
  • Hufrollenentzündung
  • Hufrehe
  • Sehnenentzündungen
  • große Wunden


Wirkungen

  • schmerzlindernd
  • durchblutungsfördernd
  • lymphstromerhöhend (manchmal kommt es deshalb zur Verdickung der lokalen Lymphknoten)
  • antibiotisch
  • krampflösend durch lokale Gefäßerweiterung
  • blutverdünnend
  • entzündungshemmend


Vor der Behandlung

Blutegel sind sehr empfindlich.

Beißen tun sie häufig nicht bei:

  • seifiger Geruch, Shampoo etc.
  • Ätherische Öle
  • Pflegemittel, Silikonsprays, Fliegenmittel
  • einige Arztneistoffe, z.B. Acetylsalizylsäure, Wurmkuren, Antibiotika, Cortison, Antizeckenpräparate, hochdosierte Enzympräparate
  • Salben
  • Gewitter
  • grelles Licht
  • Kälte
  • Fischöl
  • stark riechende Futterzusätze wie Knoblauch


Gefahren und Nebenwirkungen

  • leichter Bißschmerz, vergleichbar mit dem Kontakt einer Brennessel
  • Bakterien auf der Oberfläche und im Magen des Egels können zu Wundinfektionen führen
  • Juckreiz (2-3 Tage)  und Schwellungen an der Bißstelle
  • Narbenbildung
  • allergische Reaktion
  • "Erstverschlimmerung" ist möglich
  • Verunreinigung der Wunde  →  Sekundärinfektion

         −  kein Kratzen, Scheuern und Belecken der Wunde!

         −  keine Entfernung der Kruste!

  • unkontrollierte Blutung durch Arterienverletzung oder Blutgerinnungsstörungen
  • Rötung der Bißränder
  • Hämatome um die Bißstelle
  • Lymphknotenschwellung/lokale Lymphknoten
  • lokal begrenzte allergische Symptome
  • Blutdruckabfall (eher selten)


Kontraindikationen

  • Anämien
  • Blutgerinnungsstörung/Herabsetzung der Blutgerinnung durch Medikamente (Medikament 3 Tage vor der Behandlung absetzen und erst 2 Tage nach der Behandlung wieder einnehmen)
  • Wundheilungsstörung
  • Allergieneigung
  • Diabetes mellitus
  • Krebs/Tumore
  • Immunschwäche
  • Abmagerung und schlechter Allgemeinzustand, geschwächte Tiere
  • Fieber und Infektionserkrankungen
  • Cortisondauerbehandlung
  • Leber- und Nierenerkrankungen
  • sonstige schwere innere Erkrankungen
  • Gastritis
  • unter 5 kg Körpergewicht
  • Trächtigkeit
  • sonstige akute Erkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • starker Durchfall
  • 48 Stunden vor einer OP